Immo26 – Schweizer Immobilienmarkt – Perspektiven 2026: Erholung, Transformation und Nachhaltigkeit
Veröffentlicht am: 21. Januar 2026
Podiumsdiskussion Immo26, Oerlikon – 15. Januar 2026, 08:45 Uhr
Teilnehmende:
– Patrik Schmid, Group CEO, Wüest Partner
– Jan Eckert, CEO Schweiz & Chairman Capital Markets DACH, JLL Switzerland
Im Rahmen der Immo26 analysierten die beiden Referenten den Schweizer Immobilienmarkt aus einer strukturierten und zukunftsorientierten Perspektive. Fazit: Die Erholung für 2026 zeichnet sich ab, geht jedoch mit neuen Anforderungen einher – insbesondere in den Bereichen Risikomanagement, technologische Innovation, neue Arbeitsformen und Nachhaltigkeit.
1. Wohnimmobilien: Erholung unter strukturellem Druck
Patrik Schmid betonte die erneute Dynamik im Wohnimmobilienmarkt. Sinkende Zinsen und die vergleichsweise schwache Performance anderer Anlageklassen erhöhen die Attraktivität von Immobilieninvestitionen.
Gleichzeitig bleibt die Schweiz von einer strukturellen Knappheit geprägt. Mit rund 40’000 bis 50’000 Baubewilligungen pro Jahr kann die Nachfrage nicht gedeckt werden. Der Markt entwickelt sich in Richtung kleinerer, preisabhängiger Wohnformen.
Die Baukosten sind in den letzten zehn Jahren um rund 25 % gestiegen – insbesondere aufgrund höherer regulatorischer Anforderungen und komplexerer Bewilligungsverfahren. Diese Faktoren bremsen zwar die Bautätigkeit, führen jedoch zu nachhaltigeren und leistungsfähigeren Gebäuden.
Im Mietmarkt steigen die Mieten moderat (+0,7 %), während die Preise für Wohneigentum um rund 1,5 % zulegen. Die Angebotsknappheit bleibt ein zentraler Treiber. Insgesamt wird der Markt selektiver und strukturierter.
2. Gewerbeimmobilien: differenzierte Entwicklungen
Jan Eckert beschrieb einen fragmentierten Markt mit leicht steigenden Leerständen, jedoch unterschiedlichen regionalen Dynamiken:
– Zürich: angespannter Markt, Neubauten mit Fokus auf Energieeffizienz und Zertifizierungen
– Genf: neue Flächen, strukturelle Anpassungen und zunehmende Bedeutung von Materialkreisläufen
– Basel und Lausanne: Transformation bestehender Büroflächen, Fokus auf graue Energie
– Bern: komplexerer Markt aufgrund der starken Präsenz des öffentlichen Sektors
Längere Mietverträge sowie die Umnutzung und Weiterentwicklung bestehender Gebäude gewinnen an Bedeutung – sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch.
3. Investitionen und Kapitalflüsse: nachhaltige Ausrichtung
Das Investitionsvolumen bleibt stabil bei rund 8 Milliarden CHF pro Jahr. ESG-Kriterien werden zunehmend integraler Bestandteil von Investitionsentscheidungen.
Erfahrene Marktteilnehmer bewegen sich sicherer in diesem Umfeld, während weniger spezialisierte Investoren angesichts der steigenden Komplexität zurückhaltender agieren.
Periphere Lagen gewinnen an Attraktivität, insbesondere wenn sie Innovation, Energieeffizienz und Wiederverwendung von Materialien ermöglichen. Nachhaltigkeit entwickelt sich zu einem zentralen Faktor für Wertentwicklung und langfristige Resilienz.
4. Transformation und Technologie
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und digitalen Technologien verändert die Nutzung von Arbeitsflächen grundlegend. Der Flächenbedarf sinkt, während die Produktivität steigt.
Diese Entwicklung begünstigt die Aufwertung bestehender Gebäude durch nachhaltige Lösungen – etwa durch energetische Optimierung, den Einsatz zirkulärer Materialien und intelligente Gebäudesteuerung.
5. Nachhaltigkeit und ESG: strategischer Hebel
Nachhaltigkeit geht heute weit über reines Reporting hinaus. Trotz gewisser Ermüdungserscheinungen beeinflusst sie zunehmend regulatorische Anforderungen, Versicherungsfragen und die Bewertung klimabezogener Risiken.
Investoren verfolgen verstärkt langfristige Strategien, um sogenannte „stranded assets“ zu vermeiden, Portfolios neu auszurichten und Entwicklungen über einen Zeithorizont von 10 bis 20 Jahren zu antizipieren.
Fazit: Ein resilienter und nachhaltiger Markt
Die Diskussion zeigt klar: Nachhaltigkeit entwickelt sich zu einem zentralen Kriterium im Schweizer Immobilienmarkt – sowohl im Wohn- als auch im Gewerbesegment.
Projekte und Investitionen, die strenge Umweltstandards integrieren, graue Energie optimieren, Materialien wiederverwenden und Klimarisiken berücksichtigen, werden langfristig an Wert gewinnen.
Im Jahr 2026 zeigt der Schweizer Immobilienmarkt nicht nur Anzeichen einer Erholung, sondern vor allem eine zunehmende Fähigkeit zur Transformation. Diese Entwicklung stärkt die Resilienz der Investitionen und trägt zu einem stabileren, attraktiveren und nachhaltigeren Markt bei.
Artikel erstellt von Signa-Terre